Links: Lepistö und Lehti, zwei Musiker auf dem deutsch-dänischen Festival FolkBaltica. Foto: (c) Nauska. Bild entliehen von der Homepage der FolkBaltica.

Heute möchte ich Sie bitten, sich für einen Augenblick in die Position eines Konzertveranstalters zu versetzen und sich folgendes vorzustellen: Sie haben in der gesamten Region für Ihre Kulturveranstaltung geworben, den Schritt auf die andere Seite der Grenze gewagt – und fast keiner von dort kommt.

Sie denken sich: Was habe ich eigentlich falsch gemacht? Wie kann diese Veranstaltung, die Ihrer Meinung nach grenzüberschreitend „tauglich“ ist, so verschmäht werden? Was hätte ich besser machen können?

Es ist augenscheinlich nicht immer leicht, Kulturinteressierte von der anderen Seite der Grenze für seine Veranstaltung zu interessieren. Auch nicht, wenn es sich beispielsweise um ein Konzert handelt, das ja eigentlich grenzüberschreitend verständlich sein müsste, da es ohne viel Sprache auskommt.

Aber woran liegt das? Was kann man als Veranstalter tun, um Publikum von der anderen Seite der Grenze anzuziehen?

Oder liegen die Gründe für die Schwierigkeiten ganz woanders?

Birgitte Jensen* wohnt in Sønderborg. Sie kann ganz gut Deutsch und fährt deshalb gerne mal nach Flensburg um einzukaufen und in einem der gemütlichen Cafés Essen zu gehen. Natürlich auch, weil es billiger ist als in Dänemark und ein paar andere Dinge zu kaufen gibt, das gibt sie gerne zu. Birgitte fährt immer mit dem Bus, weil sie kein Auto hat. Über eine Stunde ist sie dann unterwegs, manchmal muss sie umsteigen und besonders oft fährt der Bus auch nicht. Aber da Birgitte kein Auto hat und sich auch keines leisten kann, ist der Bus für sie die einzige Möglichkeit. Und sie hat aus der Not eine Tugend gemacht, denn sie genießt es sich fahren zu lassen und dabei einmal ganz abzuschalten.

Richtig ärgern tut sie sich erst, als ihr eines Tages im Kritz am Nordermarkt das Flensburger Veranstaltungsmagazin „Partout“ in die Hände fällt. Darin liest sie, dass ihre Lieblingsgruppe am Samstag in zwei Wochen um 21 Uhr im Deutschen Haus spielen wird. „Da muss ich auf jeden Fall hin!“, denkt Birgitte. Aber dann fällt ihr ein, dass der Weg von Sønderborg nach Flensburg an einem Samstagabend noch weiter ist als an Werktagen – besonders auf der Rückfahrt. Soweit sie sich erinnern kann, fährt der letzte Bus gegen 22 Uhr, und das Konzert endet sicher erst um 23 Uhr.

Zuhause schaut Birgitte sogar nochmal im Internet nach – aber nichts zu machen: Die nächste Verbindung ist erst am nächsten Morgen. Birgitte entscheidet sich schweren Herzens gegen das Konzert, denn ein Hotel möchte sie nun doch nicht bezahlen.

Birgittes Fahrtmöglichkeiten an einem Samstagabend von Sønderborg nach Flensburg und
zurück:

(Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern)

Erzählen Sie uns gerne, ob Sie schon mal ähnliche Probleme erlebt haben und welcher Art diese waren!

Was könnte die Fahrt von Sønderborg nach Flensburg möglich machen?

*Name erfunden